
Fotos: Hans-Peter Schwöbel
Kurpfälzer Fruchtfeigen, gekühlt mit Serrano-Schinken, als kleine Vorspeise oder als sättigenden Hauptgang
Susanna Martinez
Unsere liebe Freundin, Schadia Kovacic und ihre Familie auf dem Almenhof haben einen wunderbaren Feigenbaum, der große Trachten Pfälzer Fruchtfeige bietet. Immer wieder verehrt sie uns diese Kostbarkeiten.
Zutaten
Wohlgeformte, unbeschädigte frische Kurpfälzer Fruchtfeigen

Als Vorspeise 3 bis 4 Stück; als Hauptgang gerne das Doppelte
gekühlt
In Hälften oder Viertel geschnitten
5 bis 6 Scheiben Serrano Schinken, hauchdünn geschnitten, auch gekühlt
Es dürfen schon ca. 80 g sein, oder auch mehr, pro Person
Pro Esser/Genießer einen gekühlter Glasteller
Ein Holzbrettchen, das nur für Obst benutzt wird. Wir arbeiten koscher, was heißt das? Wir schneiden das Obst nicht auf einem Fleisch- oder Wurst-Brettchen. Auch wenn es gespült wäre, gäbe es doch den Hauch von Wurst oder Fleisch an die Feigen ab. So viel Geschirr haben wir doch, gell! Wenn nicht, kaufen wir ein neues Holz-Brettchen.
Zubereitung
Die frisch vom Baum gepflückten Feigen bewahren wir in einem ausreichend großen Gefäß auf und stellen es in den Kühlschrank bis die Zubereitungszeit lockt. Die Früchte müssen großzügig Platz haben, sonst würden sie matschig werden.
Die Kurpfälzer Fruchtfeige ist dunkelgrün- bis dunkelbraun. Sie darf nicht gewaschen werden. Mit einem Küchenkrepp kann man sie leicht abtupfen. Sie ist nicht von einer dicken Schale umgeben, sondern von einer dünnen Haut. Sie wird nicht geschält! Auf keinen Fall! Wir hatten schon Gäste, die fingen plötzlich an, die Feigen zu schälen. Keine lässliche Sünde - man macht damit die Feige kaputt.
Wir raten, sich bei Gästen zu vergewissern, ob sie diese Frucht mögen, sonst wäre das Angebot auf dem Teller wirklich zu ändern. Es wäre schade um die wunderbare Frucht.
Der Serrano-Schinken wird auch gekühlt, bevor er mit den Feigen auf dem Glasteller angerichtet wird. Manche Serrano-Packungen haben kleine Scheiben, andere große. Wir sorgen auf jeden Fall dafür, dass jeder Gast sich mit Genuss dieser Speise zuwenden kann.
An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen
Hans-Peter Schwöbel
Susannas köstlichem Rezept möchte ich meine Huldigung an die Feige anfügen. Vielleicht möchten Sie, wenn Sie vielleicht in guter Gesellschaft die Feige genießen, diese Hommage lesen und/oder vorlesen?
Dieser Baum verbindet in besonderer und wohlschmeckender Weise die Bibel und das Heilige Land mit unserer schönen Heimat am Rhein. Neben der Palme, dem Weinstock, dem Ölbaum und dem Dornbusch gehört der Feigenbaum zu den besonders bedeutungsvollen Pflanzen der Bibel, die gerne zu tiefgründigen Gleichnissen herangezogen werden.
So finden wir beim Propheten Hosea diese poetische Liebeserklärung GOTTES an sein Volk Israel: „Wie man Trauben findet in der Wüste, so fand ich Israel; wie die erste Frucht am jungen Feigenbaum, so sah ich Eure Väter.“ (Hosea 9,10)
Kann man jemandem inniger sagen, wie wohltuend man die Begegnung mit ihm empfindet, und wie sehr man sich nach ihm sehnt? Trauben in der Wüste zu finden, gleicht einem Wunder und bietet labende Erquickung. Die ersten Feigen sind besonders süß, saftig und aromatisch. Übrigens auch die letzten nach einem heißen Sommer können köstlich schmecken, als nehme der Baum noch mal all seine Kraft (oder seinen Geist?) zusammen, um das wunderbare Aroma seiner Frucht zu entfalten.
Im Buche Richter finden wir die Jotam-Fabel, in der die Bäume sich treffen, um einen König zu wählen. Sie tragen auch dem Feigenbaume die Macht an: „Da sagten die Bäume zum Feigenbaum: Komm, sei Du unser König! Der Feigenbaum sagte zu ihnen: Soll ich meine Süßigkeit aufgeben und meine guten Früchte und hingehen, um über den Bäumen zu schwanken?“ (Richter 9, 11)
Nachdem die Früchte tragenden Bäume es allesamt abgelehnt hatten, sich mit etwas so hässlichem wie Macht und Herrschaft zu beflecken, blieb schließlich nur der Dornstrauch als möglicher Herrscher der Bäume übrig. Und der würde herrschen mit seinen Mitteln und die Anderen unter eine rohe Herrschaft beugen. Dieses sollte allen, die sich als Ölbaum, Weinstock oder Feigenbaum sehen, zu denken geben.
Im Buch der Könige stehen Weinstock und Feigenbaum für eine Gesellschaft in Frieden und Sicherheit: „Juda und Israel lebten in Sicherheit von Dan bis Beer Scheeba; ein jeder saß unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum, solange Salomo lebte.“ (Könige 5, 5)
Im Matthäus-Evangelium leuchtet uns eine Weisheit entgegen, die im Deutschen zu einem geflügelten Wort wurde: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Erntet man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen?“ (Matthäus 7, 16)
Die Früchte also sind es, nicht die Worte oder hehren Absichten, die uns erkennen lassen, wen und was wir vor uns haben. Und natürlich wird man auch uns an dem erkennen, was unsere Taten und Worte bewirken – an unseren Früchten.
Bei Ausgrabungen wurden Reste von Feigen aus der Zeit 5000 vor Christus gefunden. Auch am Rhein kommt die Feige bereits seit vielen Jahrhunderten vor. Während in der kleinasiatischen Heimat der Feige die Bestäubung durch ein besonderes Insekt erfolgt, bedarf die Pfälzer Fruchtfeige der Bestäubung nicht. Sie ist jungfernfrüchtig, wie der Baumkundige sagt.
Damit dürfte eine alte Streitfrage geklärt sein. Was bei der Pfälzer Fruchtfeige ein alltägliches Wunder ist, sollte beim Menschen, bzw. der Menschin einmal in der Menschheitsgeschichte auch möglich gewesen sein. Im Streit zwischen Heilskundigen (Theologen) und Heilkundigen (Medizinern) gibt der Pflanzenkundige (Gärtner) die Antwort.
Die Pfälzer Fruchtfeige ist kein Ziergewächs, an ihr wachsen und schwellen Früchte, die köstlich munden. In meinem Herzen steht dieser biblische, mythische Baum auch für das Judentum am Rhein. Möge der Feigenbaum im Lande nicht nur der Buchen und der Eichen, sondern auch der Linde (dem Freiheitsbaum der Deutschen!) wieder wurzeln und sich ausbreiten.
In Susannas Goschenwonnen am Mittwoch, 19. August 2026 wird die Pfälzer Fruchtfeige nochmal auf ganz andere Weise unsere Sinne betören.
016-2026 Susannas Goschenwonnen
Mittwoch, 05.08.2026
